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Übergriffe im Friedrich-Wennmann-Bad – SPD bestellt Security, FDP eine Excel-Tabelle

Maximilian Eitner Quelle: Freie Wähler Mülheim an der Ruhr / Maximilian Eitner

Mülheim an der Ruhr. Im Friedrich-Wennmann-Bad fehlt es nicht an politischen Forderungen. 

Im Friedrich-Wennmann-Bad mangelt es wahrlich nicht an Warnsignalen. Fast wöchentlich muss die Polizei wegen Diebstählen oder Auseinandersetzungen kommen, obwohl am Wochenende bereits ein Sicherheitsdienst eingesetzt wird. 2025 endete ein eskalierter Streit mit einem bewusstlosen Beschäftigten, im August 2026 wurde ein Schwimmmeister mit einer Kopfnuss verletzt. Wer darin noch immer bloß vereinzelte Vorfälle erkennt, sollte vielleicht die Pressemappe gegen eine Schicht vor Ort tauschen.

Die Heißener SPD fordert nun dauerhaft Security und fragt gleichzeitig, ob der Zustand des Altbaus Fehlverhalten motiviere oder die Störer aus dem Stadtteil kämen. Ein alter Umkleidebereich mag unansehnlich sein. Er verteilt aber keine Kopfnüsse, bricht keine Schließfächer auf und beleidigt kein Personal. Und neue Fliesen werden wohl auch niemandem Respekt beibringen.

Auch die Stadtteilfrage führt am Problem vorbei. Nach meiner Wahrnehmung zeigt bereits ein Blick auf die Kennzeichen der parkenden Fahrzeuge: Das Einzugsgebiet des Bades endet nicht an der Grenze von Heißen. Kennzeichen sind natürlich kein Täterregister. Sie widerlegen aber die Vorstellung, es handele sich um ein abgeschottetes Stadtteilbad. Statt über Postleitzahlen zu spekulieren, sollte rechtlich geprüft werden, ob einzelne Personen in anderen Bädern bereits Hausverbot haben und wie Betreiber solche Informationen zulässig austauschen können.

Security kann unterstützen, ersetzt aber keine Betriebsorganisation. Benötigt wird während des öffentlichen Badebetriebs eine fest besetzte, in den Betrieb eingebundene Eingangsstelle. Als das Bad noch vom Mülheimer SportService und zuvor vom städtischen Bäderamt betrieben wurde, war die besetzte Kasse nach meiner Erfahrung genau das: eine ganz normale betriebliche Notwendigkeit.

Eine feste Kraft kennt Abläufe, erhält Übergaben und kann Hausverbote konsequent durchsetzen. Der Kassenautomat kennt dagegen weder Gesichter noch Vorgeschichten. Ein wechselnder Security-Mitarbeiter automatisch ebenso wenig. Ein Drehkreuz kann Eintrittskarten zählen – erinnern kann es sich nicht. Selbst nach bereits ausgesprochenen Hausverboten in allen Mülheimer Bädern blieb zuletzt öffentlich die entscheidende Frage offen: Wie werden sie überhaupt wirksam kontrolliert?

FDP/BAMH möchte zunächst die vergangenen fünf Jahre auswerten und erklärt, erst eine mehrjährige Datengrundlage ermögliche eine sachgerechte Bewertung. Zahlen sind sinnvoll. Sie dürfen aber nicht zum Wartezimmer für notwendige Maßnahmen werden. Bei nahezu wöchentlichen Polizeieinsätzen und Angriffen auf Beschäftigte muss niemand auf die endgültige Excel-Tabelle warten, um eine organisatorische Schwachstelle zu erkennen. Analysieren und handeln kann man gleichzeitig. Wer auf die perfekte Zeitreihe wartet, produziert womöglich nur die nächste Zeile der Statistik.

Auch die Tarifstruktur gehört auf den Tisch. In Mülheim kostet die Tageskarte vier Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder; weitere Berechtigte erhalten 50 Prozent Ermäßigung. Essen verlangt ermäßigt 2,50 Euro, Duisburg 2,70 Euro und Bochum drei Euro.

Niedrige Eintrittspreise verursachen keine Gewalt. Ein Zwei-Euro-Ganztagesticket besitzt jedoch praktisch keine steuernde Wirkung. Beim Neubau muss daher über ein echtes Tarifkonzept gesprochen werden: Kurzzeit- und Frühtarife, unterschiedliche Zeitfenster und gezielte soziale Ermäßigungen. Eine bloße Erhöhung um 50 Cent für Ermäßigte und einen Euro für Erwachsene wäre keine Tarifreform, sondern Preiskosmetik. Soziale Zugänglichkeit und eine vernünftige Finanzierung schließen sich nicht aus.

Auch das Datenschutzargument der SPD greift zu kurz. Niemand verlangt eine vollständige Besucherkartei oder eine biometrische Gesichtserkennung.

In mehreren Essener Bädern müssen Gäste ab 14 Jahren seit Juni 2024 einen Lichtbildausweis vorzeigen. Dabei findet lediglich eine Sichtkontrolle statt; personenbezogene Daten werden nicht gespeichert. Ziel ist ausdrücklich, Personen bei Fehlverhalten identifizieren und Konsequenzen besser durchsetzen zu können.

Im Mai 2026 erklärte eine Sprecherin der Stadt Essen gegenüber dem WDR, man habe mit der Ausweispflicht von Anfang an gute Erfahrungen gemacht. In der zurückliegenden Saison habe es in den betreffenden Bädern weniger Polizeieinsätze gegeben.

Das Essener Modell lässt sich nicht ungeprüft eins zu eins übertragen. Es beweist aber, dass zwischen Totalerfassung und vollständiger Anonymität ein praktikabler Weg liegt. Datenschutz ist ein Regelwerk – keine Nebelmaschine, hinter der man politische Ratlosigkeit verstecken kann.

Meine Empfehlung an die Mülheimer Politik: Bevor die nächste Pressemitteilung verschickt wird, sollten sich die Verantwortlichen anhören, was die Menschen sagen, die diesen Betrieb täglich aufrechterhalten.

Bürgernahe Politik beginnt nicht im Presseverteiler, sondern am Arbeitsplatz. Eine Schicht am Eingang dürfte mehr Erkenntnis liefern als fünf Jahre Excel und zehn pressewirksame Forderungen.