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17 Jahre Konzept - und kein Klo?

Seit Mai 2026 geschlossen: Die öffentliche Toilettenanlage am Mülheimer Hauptbahnhof wurde aufgrund von Vandalismusschäden außer Betrieb genommen. Als Alternative verweist die Stadt auf das rund 250 Meter entfernte Forum - allerdings nur während der Öffnungszeiten. Quelle: Freie Wähler Mülheim an der Ruhr

Mülheim an der Ruhr - Seit 2009 hat Mülheim ein Toilettenkonzept. Was fehlt, ist eine Infrastruktur mit einem verlässlichen Netz öffentlich zugänglicher Toiletten. Wer dringend ein WC braucht, steht vielerorts vor verschlossenen Türen - besonders außerhalb regulärer Öffnungszeiten. Die Freie Wähler fordern deshalb stadtweit verlässliche Zugänge, klare Beschilderung und Kooperationen mit Gastronomie und Einzelhandel. „Wer eine Toilette braucht, weiß oft nicht, wo, wie und wann er eine nutzen kann. Das ist keine Frage des Komforts, sondern der Würde und gesellschaftlichen Teilhabe“, erklärt Kreisschatzmeister Uwe Schmidt.

15 Toiletten für 174.000 Menschen - und selbst die sind nicht immer offen: Das städtische Geoportal verzeichnet lediglich 15 Toiletten-Einträge, darunter zahlreiche Einrichtungen mit begrenzten Öffnungszeiten. Die im Mai 2026 wegen Vandalismus geschlossene Anlage am Hauptbahnhof verschärft die Lage. Als Ausweichmöglichkeit verwies die Stadt auf das rund 250 Meter entfernte Forum - nutzbar nur während der Öffnungszeiten. Eine neue öffentliche Toilette am Rathausmarkt ist geplant. Die Versorgungslücken im übrigen Stadtgebiet bleiben damit bestehen.

Eine Infrastruktur mit einem verlässlichen Netz öffentlich zugänglicher Toiletten ist für alle Menschen wichtig - für Kinder, die gerade trocken werden, ebenso wie für ältere Menschen oder Personen mit chronischen Erkrankungen. Besonders diese Gruppen leiden unter fehlenden und nicht zugänglichen Anlagen. Das zeigen auch unsere Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, die uns wiederholt auf dieses Problem angesprochen haben. Im Sinne der Inklusion muss die Stadt sicherstellen, dass alle Menschen am öffentlichen Leben teilhaben können. Zugleich altert die Stadt: Die Zahl der über 65-Jährigen steigt laut städtischer Bevölkerungsprognose von rund 42.000 im Jahr 2025 auf knapp 47.000 im Jahr 2035 - von etwa 24 auf 27 Prozent der Bevölkerung.

Die Freie Wähler fordern deshalb einen pragmatischen Kurswechsel. Essen macht mit dem bundesweiten Programm „Nette Toilette“ vor, wie es geht: Gastronomie und Einzelhandel stellen ihre Sanitäranlagen kostenlos zur Verfügung und erhalten dafür eine städtische Aufwandsentschädigung. 2025 waren dort bereits 34 Standorte erfasst. Mülheim sollte dieses Modell übernehmen – mit sichtbarer Informationskampagne und einheitlichen Hinweisschildern. Für Zeiten außerhalb der Geschäftsöffnungszeiten braucht es zusätzlich dauerhaft zugängliche öffentliche Anlagen.

Maximilian Eitner, Kreisvorsitzender der Freie Wähler Mülheim, erklärt: „Seit 17 Jahren gibt es ein Konzept, aber noch immer keine verlässliche Versorgung. Andere Städte zeigen längst, wie es besser geht. Mülheim muss das Rad nicht neu erfinden - sondern endlich dafür sorgen, dass Menschen nicht vor verschlossenen Türen stehen.“

Für dauerhaft zugängliche Anlagen sollten moderne, sichere und hygienische Systeme geprüft werden. Dazu zählen selbstreinigende Toiletten mit zeitlich begrenztem Zugang: Die Tür öffnet sich nach der Bezahlung, kann 15 Minuten verriegelt werden und wird anschließend automatisch wieder freigegeben. Verlässt die Person die Anlage früher, schließt die Tür; für den nächsten Zugang ist eine erneute Bezahlung erforderlich. Nach der Nutzung reinigt sich die Toilette selbstständig. Solche Lösungen können Vandalismus erschweren und öffentliche Toiletten auch außerhalb regulärer Öffnungszeiten verlässlich zugänglich machen.