Mülheim an der Ruhr - Die Freien Wähler Mülheim sehen im SWB-Vorhaben an Lerchen- und Boverstraße eine Chance für zusätzlichen, zeitgemäßen Wohnraum - verbinden ihre Unterstützung aber mit klaren sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen. Nach den veröffentlichten SWB-Angaben sollen 73 Wohnungen durch 105 ersetzt werden. Das wären 32 Wohnungen mehr; insgesamt 70 der neuen Wohnungen sollen öffentlich geför-dert werden. Die Sorgen der Menschen hinter der Petition nehmen die Freien Wähler ernst. Sie fordern deshalb verbindliche Rückkehrvereinbarungen für die bisherigen Bewohner, nachvollziehbare Entscheidungen und eine hochwertige, energieeffiziente Quartiersentwicklung.
„Ein Umzug ist kein Detail, wenn daran ein ganzes Lebensumfeld hängt. Aus der angekündigten Rückkehrmög-lichkeit muss auf Wunsch der Betroffenen eine vertraglich gesicherte Rückkehr werden - mit passenden Über-gangswohnungen, der Übernahme beider Umzüge und einem vorher vereinbarten, bezahlbaren Mietrahmen", erklärt René Reiße, Landtagswahlkandidat der Freien Wähler. An der Filchnerstraße habe die SWB bereits gezeigt, dass begleitete Umzüge und die Rückkehr nach einer Sanierung funktionieren können. An diese Erfahrung solle sie anknüpfen. Ziel müsse sein, die bisherigen Bewohner an der Verbesserung ihres Quartiers teil-haben zu lassen, statt sie dauerhaft aus ihrer vertrauten Umgebung zu verdrängen.
Für Nico Schwarz, Sozialwissenschaftler und stellvertretenden Kreisvorsitzenden, kommt es auf ein passen-des Wohnungsangebot an. Laut städtischer Wanderungsstatistik verzeichnete Mülheim 2025 insgesamt 7.287 Zuzüge, zugleich aber 7.633 Fortzüge. Die städtische Bevölkerungsprognose erwartet einen steigenden Anteil älterer Menschen: von rund 24 Prozent ab 65 Jahren im Ausgangsjahr 2023 auf 27 Prozent bis 2050. „Auch eine Stadt mit zuletzt sinkender Einwohnerzahl braucht Wohnungen, die zu ihren Menschen passen: für Ältere, Familien und neu Hinzuziehende. Zusätzliche Wohnungen, weniger Barrieren und ein niedriger Energiever-brauch sind gute Ziele. Entscheidend sind tragbare Warmmieten und eine Klimabilanz, die Sanierung und Neu-bau einschließlich Bau und Betrieb vergleicht", so Schwarz.
Uwe Schmidt, Kreisschatzmeister der Freien Wähler, fordert einen nachvollziehbaren Entscheidungs- und Fi-nanzierungsweg. Die frühere Planung habe an der Lerchenstraße zunächst einen Erhalt des Bestands vorge-sehen; die Gründe für die veränderte Planung müssten deshalb verständlich erläutert werden. „Die SWB sollte offenlegen, welche Alternativen geprüft wurden, welche Fördermittel für das Vorhaben gesichert sind und wie sich diese auf die Wirtschaftlichkeit und die künftigen Mieten auswirken. Gute Förderbedingungen sollten wir nutzen - mit nachvollziehbaren Entscheidungen und verbindlichen Zusagen für die bisherigen Bewohner. Wirt-schaftlichkeit und soziale Verantwortung müssen bei einer städtischen Gesellschaft zusammengehören", er-klärt Schmidt.